Private Homepage von Helmut Lütjen

Wie Herr Wowereit regierender Bürgermeister von Berlin uns rettete.




Das Haus brennt,
oder
von Wowereit gerettet

Manche Geschichten muß man einfach erzählen, schon damit keiner was anderes daraus macht. Es sollt ein ruhiges Silvesterfest werden, mein Bruder hatte eingeladen, Silvester auf dem Kudamm, nur im kleinen Kreis, gemütlich, aber die Silvesterraketen von vielen Leuten sehen.

Rechtzeitig losgefahren, guten Parkplatz gefunden, die Polizisten gegrüßt, diese haben kurz den Hund gestreichelt. Vor dem Haus meines Bruders stehen immer Polizisten, schließlich wohnt Berlins regierenden Oberbürgermeister Wowereit dort. Ein mieser Job, den eigentlich besteht Berlin aus vielen Einzelstädten, die alle Ihr eigenes Süppchen kochen. Nicht wie in Hamburg oder Bremen, wo alle an einem Strang ziehen.

Es war nett, ich zog meine mitgebrachten Hausschuhe an. Gitte (Freundin meines Bruders) versorgte uns mit allerhand schönem zu essen. Da Alkohol getrunken werden sollte, schaute ich mir schon mal meine Schlafstätte an, sie war leicht zu finden, alles bestens. Die ersten Silvesterraketen wurden geschossen, und im Hof zwischen den Häusern roch es auch schon nach Rauch. Wir aßen gerade Früchte, die wir in Schokolade tunkten, es war noch genug Zeit bis 24 Uhr.

Ein schöner gemütlicher Abend, zu viert, und mit zwei großen Hunden, ich dachte an nichts Böses.
Es klingelte, meine Bruder ging hin, und kam kurz darauf wieder: "Das war Herr Wowereit, das Haus brennt." Das war`s, kurz darauf verschwand mein Bruder um ebenfalls allen bescheid zu sagen, ich machte mich nach mehreren Minuten auf die Suche nach Ihm, konnte aber nur die Polizisten finden, die etwas nervös waren (verständlich). Ich fand den Rauchherd, ganz oben, es war zwei Stockwerke über uns, daher der Rauch im Hof, aber wer macht sich da Silvester schon Gedanken. Da kam auch schon die Feuerwehr, einer vorweg, den sprach ich gleich an, und zeigte Ihm wo es brannte, er rief gleich "Zwei Züge nach." Natürlich erwähnte ich auch welch bedeutende Person hier wohnte; nein nicht mein Bruder. Ich ging zurück in die Wohnung, fand meinen Bruder aber immer noch nicht, ich konnte mir denken, das er beim Feuer war, es qualmte, schien aber sonst nicht so schlimm. In weiser Voraussicht zog ich schon mal meine Schuhe wieder an. Mittlerweile war es kurz vor 24 Uhr, die Raketen nahmen zu.
Mein verschollener Bruder kam, und meinte wir müssten wahrscheinlich alle das Haus verlassen. Und so kam es. Zwei große Hunde, (Bernersennenhund und Austie), Mäntel schnell übergezogen, zuerst in den Hausflur, dann nach unten, alle Bewohner getroffen, schließlich auf die Straße geschickt, dann getrennt worden, einige wurden nach links, andere nach rechts geschickt. Mein Bruder kam verspätet mit Rucksack an. Schließlich sammelten sich die meisten Bewohner wieder. Doch es dauerte, und wir verteilten uns wieder. So weit ich zählen konnte waren bis zu acht Löschzüge im Einsatz.

Wir gingen rüber über den Kudamm, und fanden Schutz im Eingangsbereich eines Frisörs, die Hunde fanden es richtig toll, so ein Abendspaziergang, und alle zusammen. Fünf Minuten vor Mitternacht öffnete mein Bruder seinen Rucksack, und holte eine Flasche Schampanjer raus, und vier Gläser.

Wir stießen an, es war irgendwie sogar romantisch, um uns herum schossen die Leute Raketen ab, wir tranken Schampanjer, ich stand mitten auf dem Kudamm, und bekahm einiges geboten. Jede Menge Silvesterraketen, viele mir fremde Leute, die ein frohes neues wünschten. Ich hatte mein Silvester auf dem Kudamm, ich stand mitten auf dem Kudamm.

Aber es dauerte, und schließlich zogen wir uns in ein chinesisches Lokal zurück, hier wurde gerade eine russische Hochzeit gefeiert, (Berlin ist eben international) wir tranken heißen Tee, und die Polizisten versprachen uns zu informieren, wenn wir wieder ins Haus dürfen. Schließlich fragten die Kinder des Wirts ob man die Hunde füttern dürfte, man durfte, und die Hunde bekamen zu meiner Überraschung Kiloweise Fleisch.
Da ich selbst mal bei der Hausfeuerwehr war wusste ich, dass es häufig Schwelbrände gab, und wer wollte schon die Verantwortung übernehmen, und das Haus vorschnell frei geben. Doch irgendwann kamen wir wieder ins Haus (ca. 3 Uhr), die Schokolade war mittlerweile steinhart geworden, aber ich schlief sogar sehr gut, und eigentlich könnte die Geschichte hier zu Ende sein.

Aber es gibt ja noch die Presse.

Die Presse hatte anscheinend alles verpasst, und niemand hatte sie informiert, jetzt standen sie vorm Haus und die Polizei ließ sie einfach nicht rein. Wir sahen sie vom Balkon aus, sprachen aber nicht mit Ihnen, doch die Hunde mussten raus...

Es nützte nichts, wir mussten raus. Sie waren gleich zu mehreren, und bestürmten uns mit Fragen. Schließlich ließen wir einige Fotos machen, von uns, und den Hunden. Es wurde immer wieder gefragt: "Und wo war Herr Wowereit?" Schließlich erklärte ich es noch mal "Herr Wowereit ist durchs Haus gelaufen, und hat uns alle gerettet!" Zwar hatte ich Ihn nicht gewählt, aber er hatte sich wirklich vorbildlich verhalten. Auf unsere Frage um welche Zeitung es sich eigentlich handelt erfuhren wir "Bild und BZ." Oh je, was würde da wohl morgen in den Zeitungen stehen.

Die Polizei ließ die Reporter einfach nicht rein, und als wir später noch mal auf dem Balkon standen, wurden wir nochmals, von unten, fotografiert, man sagte mir ich solle doch nicht lächeln, schließlich sei gerade das Haus fast abgebrannt. Mittlerweile kam raus, dass die Bewohner der abgebrannten Wohnung gar nicht da waren, und wahrscheinlich eine Silvesterrakete den Brand verursacht hatte. Die Wohnung würde durch das viele Löschwasser schlimm aussehen, und man versuchte die Bewohner zu erreichen (schönes neues Jahr).

Wir hatten ein schlechtes Gewissen, weil wir mit den Reportern gesprochen hatten, und an 02.Januar 2007 tat ich etwas, was ich noch nie getan hatte. Ich kaufte mir eine Bild, und eine BZ Zeitung.

Manchmal wird man auch angenehm überrascht, in beiden Zeitungen stand der Bericht auf der ersten Seite, und konkurriert problemlos mit den tollen Fotos von irgendwelchen Silvesterpartys. Natürlich wurde auch mein Name erwähnt, und auf einer bin ich sogar abgebildet, mit ernstem Gesicht; und von unten kommt mein Bauch auch sehr gut zur Geltung. Schreckliches Foto. Zwar steht dort dass Herr Wowereit anschließend weiterfeierte, ich meine mich erinnern zu können dass er und sein Bekannter sich so nach einer Stunde, als abzusehen war, dass es länger dauern würde, entfernte, aber egal.



So, jetzt hab ich mein Gewissen erleichtert, alles was man irgendwo im Internet schreibt wird auf geheimnisvolle Weise verewigt, so sei es.







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